Umbau in ein Passivhaus

Energetische Sanierung einer Doppelhaushälfte in Augsburg

Interview mit den Bauherren

"Mit der durchgeführte Sanierung sind viele Vorteile verbunden, die für uns eine Steigerung des Wohnwertes bedeuten."

Silke Möllering und Michael Schintze haben ihr im Jahr 2008 erworbenes Haus aus dem Jahr 1938 in ein Passivhaus umgebaut. Die energetische Sanierung ihrer Doppelhaushälfte in Augsburg bewerten sie zwei Jahre nach dem Einzug sehr positiv. [Zum Interview ...]

Die Bauaufgabe

Auf der Suche nach einem Eigenheim haben Silke Möllering und Michael Schintze eine Doppelhaushälfte gefunden, die wegen ihres baulichen Zustands preiswert in der Anschaffung war und viel Gestaltungsspielraum für eine umfassende Sanierung bot. Das Gebäude wurde 1938 in Massivbauweise errichtet und bedurfte nach 70-jähriger Lebenszeit nicht nur einer optischen, sondern vor allem einer energetischen Erneuerung. Der seit der Errichtung unveränderte Wärmeschutz der Gebäudehülle entsprach nicht annähernd den hohen Anforderungen der heute geltenden Energieeinsparverordnung. Auch im Innenbereich befand sich das Haus in einem Zustand, der vermuten ließ, dass dort lange Zeit nur wenig zur Anpassung an wachsende Lebensstandards unternommen worden war.

Da die neuen Eigentümer beide im Baubereich beruflich beschäftigt sind, hatten sie schnell eine klare Vorstellung, wie ihr zukünftiges Wohnhaus aussehen soll. Vor allem konnten sie die Planung und Bauleitung für ihr Bauvorhaben selbst übernehmen. Ökologie und Nachhaltigkeit waren die selbstgestellten Bedingungen für alle baulichen Maßnahmen. Angesichts der ständig steigenden Energiekosten sollte ein Passivhaus entstehen, das ohne separates Heizsystem auskommt. Wo immer möglich wurden Massivholz, Holzwerkstoffe und Holzfaserdämmstoffe eingesetzt.

Als qualifizierter Partner bei der Umsetzung erwies sich die Firma Holzbau Aumann (www.aumann-holz.de) aus Ziemetshausen. Sie übernahm sämtliche Zimmererarbeiten einschließlich Dach- und Wanddämmung, Fenster, Klempnerarbeiten, Dachdeckung und Holzfassade.

Bildergalerie zur Energetischen Sanierung

Nach 70-jähriger Lebenszeit benötigte die Doppelhaushälfte nicht nur eine optische, sondern auch eine energetische Erneuerung.
Auch im Innenbereich befand sich das Haus in einem Zustand, der vermuten ließ, dass dort lange Zeit nur wenig zur Anpassung an wachsende Lebensstandards unternommen worden ist.
Zunächst musste vieles aus dem Haus entfernt werden: Dazu gehörte die Entsorgung asbesthaltiger Fassadenplatten am Südgiebel durch eine zertifizierte Fachfirma.
Auch die Bekleidung der Dachschrägen und der Abseiten wurde entfernt. Eine Füllung aus Hochofenschlacke in der Bodenkonstruktion wurde ebenfalls entsorgt.
Den aufwendigsten Eingriff stellte der Abriss des kompletten Südgiebels im Dachspitz und Obergeschoss dar. Auch die innere Ziegelwand unter der Raumdecke (Kehlbalkenlage) musste weichen. Baustützen nehmen kurzzeitig die Lasten der Kehlbalkenlage auf.
Der Kamin wurde vom Dach bis zum Keller vollständig abgebrochen – ein Bauteil, das in einem Passivhaus nicht mehr benötigt wird.
Nun folgt die Abdichtung der Außenwände des Kellergeschosses mit einer gewebeverstärkten Bitumenbeschichtung.
Auf einer horizontalen Wärmebrückenschürze aus Styrodur wird eine Perimeterdämmung gestellt und an der Kellerwand verklebt.
Die im Erdgeschoss abgebrochenen Innenwände werden durch neue Stützen und Unterzüge aus Balkenschichtholz (Duo-Balken) ersetzt.
Auf der Südseite des Hauses steht die Montage der neuen Außenwandkonstruktion in Holzrahmenbauweise bevor.
Das im Holzbaubetrieb vorgefertigte Giebelelement wird vom LKW mit einem Mobilkran direkt an die Baustelle gehoben.
Das untere Bauelement wird eingefahren, auf einen neu betonierten Ringbalken aufgesetzt und an den neuen Stützen unter den Mittelpfetten befestigt.
Anschließend folgt das obere Giebelteil, das später ein dreieckiges Fenster aufnimmt.
Die alten Ziegel werden abgedeckt.
Gleichzeitig wird feldweise die alte Ziegellattung und die auf der Holzschalung liegende Bitumendachbahn entfernt.
Schritt für Schritt folgen die neuen Luftdichtbahnen, die untereinander verklebt werden.
Nun werden auf dem Dach 24 cm hohe Doppel-T-Träger montiert, deren oberer und unterer Gurt aus Furnierschichtholz und deren aufrecht stehender Steg aus Grobspanplatten (OSB-Platten) besteht.
In die Untergurte der in der Zimmerei passgenau zugeschnittenen Träger werden vor der Montage Schrauben angebracht, mit denen später die Träger auf dem Dach befestigt werden.
Nun werden die ca. 7,50 m langen Träger auf die Dachfläche gehoben.
Die Befestigung der Träger auf den vorhandenen Dachsparren oberhalb der Luftdichtbahn.
Alle Träger auf der ersten Dachhälfte sind montiert.
Die nächste Lage oberhalb der Träger besteht aus 6 cm dicken Holzfaserdämmplatten, die in Nut-Feder-Verbindung verlegt werden.
Dadurch entsteht ein Hohlraum zwischen der Luftdichtbahn und den auf den Doppel T-Trägern aufliegenden Holzfaserdämmplatten. In diesen Hohlraum wird später ein Dämmstoff aus Zellulosefasern eingeblasen.
Alle Holzfaserdämmplatten sind verlegt. Darauf wird die Lattung für das neue Ziegeldach aufgenagelt.
Bei den Außenwänden wird nun ähnlich verfahren. Zunächst erhalten die Wände eine Unterkonstruktion aus Kanthölzern.
Darauf werden vertikal stehende Doppel-T-Träger montiert.
Das Eckdetail mit den Anschlüssen an die Dachkonstruktion.
Die fertig montierte Trägerlage am Südgiebel.
Auch hier folgt nun die Schicht aus Holzfaserdämmplatten.
Der Plattenstoß an der Außenwandecke.
Die Gesamtansicht mit den bereits an den Wandflächen im Erdgeschoß verlegten Holzfaserdämmplatten sowie der Konter- und Ziegellattung.
Vorgefertigter Einbaurahmen für die neuen Dachfenster mit integrierter Anschlussfolie für die neue Luftdichtheitsebene.
Einbau der Dachfenster mit Verklebung des Wärmeeindeckrahmens auf den Holzfaserdämmplatten.
Montage der äußeren Abdeckung mit Wasserableitschürzen.
Die fertig montierten Dachfenster. Alle Fenster und Türen des Hauses erhalten eine dreifache Wärmeschutz-Verglasung.
Fertig vorbereitete Türöffnung im Südgiebel vor dem Einsetzen des Türrahmens.
Einhängen des Türflügels in den bereits montierten Türrahmen mit Anschlüssen für die luftdichte Verklebung.
Einsetzen des Fensterbleches in die Laibung der Fenstertür.
Das eingesetzte Fensterblech wird mit einem speziellen Kompriband aus Schaumstoff zwischen seitlichem Abschlussbrett und der Oberseite der Tropfkante versehen. Dieses sorgt für die Luftdichtigkeit der Fensterlaibung und verhindert das Eindringen von witte
Durch den hohen Dachaufbau entsteht im Bereich der Gebäudetrennwand ein Höhenunterschied zur Dachfläche der Doppelhaushälfte des Nachbarn. Eine Verblechung deckt diesen Bereich ab.
Die Dachrinne und das doppelt abgekantete Ortgangblech mit einem Musterziegel für die neue Dacheindeckung.
Alle Außenwände und die gesamte Dachebene sowohl zwischen als auch über den Sparren werden nun mit Zellulosedämmung gefüllt. Bei diesem Verfahren wird Zellulose aus Altpapier über einen Schlauch in die Hohlräume geblasen und verdichtet sich dabei zu einer
Zum Einblasen der Zellulose werden Löcher in die Holzfaserdämmplatten gebohrt.
Anschließend wird der Schlauch in den Hohlraum geführt. Hier im Dach...
...und hier in der Außenwand.
Die Einblasöffnungen werden anschließend mit einem konischen Stopfen aus Kork verschlossen. Insgesamt weist die Gebäudehülle eine 36 cm dicke Zellulosedämmung auf.
Die neue Eindeckung aus Tondachziegeln.
Ein Ende der Arbeiten am Haus ist in Sicht: Als letzter Schritt wird die Außenbekleidung angebracht. Hier ist eine Gebäudeecke während der Montage der neuen Holzfassade zu sehen. Die Holzelemente wurden an der Ecke auf Gehrung geschnitten und laufen auf e
So stellen sich die Gebäudeecken nach Fertigstellung dar.
Noch fehlen die äußeren Gebäudelemente wie das Carport mit dem überdachten Hauseingangsbereich. Insgesamt wirkt das Gebäude äußerlich deutlich verjüngt. Seine inneren Qualitäten im Sinne der Energieeffizienz machen es für eine zweite Lebenshälfte tauglich
Gerade aus der Ferne wird deutlich, dass sich das Gebäude sehr gut in die Siedlung einfügt.